Rationierung (Priorisierung) im deutschen Gesundheitswesen und die Gesundheit der deutschen Bevölkerung - die Fakten

von Dr. Angelika Schaumberg


Die Bundesärztekammer selbst zählt die "Sicherung einer guten medizinischen Versorgung der Bevölkerung" zu ihren Aufgaben {6}.

Von einer guten medizinischen Versorgung der Bevölkerung in Deutschland, das heißt für alle Menschen, profitieren nicht nur die Patienten sondern auch die Ärzte. Und alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, immerhin jeder neunte der Beschäftigten in Deutschland.

Laut Medienberichten fordert Dr. Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, "Leistungsbegrenzung im Gesundheitswesen". Er regt eine generelle "Priorisierung der Leistungen" an {1}. Es stellt sich die Frage: warum? Es werden keine Fakten angegeben.

Der kürzlich veröffentlichte Bericht 'Aufgewacht! Achtung! Mindestens für jeden Vierten in Deutschland nur noch eingeschränkte medizinische Versorgung?' {2} nennt die Tatsachen beim Namen. Diese Fakten müssen berücksichtigt werden, wenn Entscheidungen über die medizinische Versorgung der deutschen Bevölkerung getroffen werden. Dieser Bericht beschreibt klar und umfassend, welche Auswirkungen Rationierung (Priorisierung) für weite Teile der deutschen Bevölkerung in Bezug auf Gesundheit und die medizinische Versorgung hat:

Wie viele Menschen bei Rationierung von Gesundheitsleistungen die versagten Leistungen voraussichtlich nicht selbst bezahlen können

Welche Auswirkungen Armut auf die Gesundheit hat

Ob es in Deutschland an Geld mangelt

Wie viel für Gesundheit ausgegeben wird

Die Auswirkungen für Krankenhäuser

Die Auswirkungen für die Behandlung von Patienten und für die Ärzte

Eine Gegenüberstellung der Hilfen des Staates für erfolglose Banken und Unternehmen und für das Gesundheitswesen

In den Medien war kürzlich davon die Rede, dass viele Deutsche inflationsbereinigt weniger verdienen als vor 20 Jahren. Das Durchschnittseinkommen der Ärzte ist in den Jahren zwischen 1990 und 2008 um 50% gesunken {3}. Dies geschah während der Amtszeit der Bundesärztekammer und kann weder im Interesse der Patienten noch der Ärzte liegen.

Die deutsche Bevölkerung verdient es nicht, dass ihre medizinische Versorgung rationiert (priorisiert) wird, nur um erfolglosen Banken und Unternehmen, Direktoren und Managern tausende von Millionen Euro an Steuergeldern zukommen zu lassen.

Warum wird die deutsche Bevölkerung eigentlich nicht gefragt - jeder ist in seinem Leben einmal Patient - wie viel Geld für die Gesundheit und die medizinische Versorgung ausgegeben werden soll? Warum wird die deutsche Bevölkerung nicht gefragt, ob sie tausende Millionen Euro ihrer hart verdienten Steuergelder für erfolglose Banken und Unternehmen, Manager und Direktoren und deren Bonuszahlungen ausgeben will? In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick in die Pressenotiz über den Report von Manfred Davidmann 'The Style of Management and Leadership' {5}. Es kann vermieden werden, dass in Zukunft durch Rationierung (Priorisierung) jeder Vierte in Deutschland nur noch eine eingeschränkte medizinische Versorgung erhält.

Wir, die Menschen in Deutschland, müssen entscheiden wie viel Geld für das deutsche Gesundheitswesen ausgegeben wird. Jeder in Deutschland sollte und kann eine gute und umfassende medizinische Versorgung erhalten. Dafür sollten wir uns alle einsetzen, Patienten und Ärzte gemeinsam.

Ich schließe mich der Aussage von Herrn Heinz Stüwe, Chefredakteur des Deutschen Ärzteblatts an: "Man sollte nicht erst nach Amerika blicken müssen, um zu wissen, was wirklich zählt: eine gute medizinische Versorgung für die ganze Bevölkerung." {4}


Literaturangaben

{1}   Priorisierung und Rationierung
Thüringer Allgemeine, 22.Januar 2010
     
{2}   Aufgewacht! Achtung! Mindestens für jeden Vierten in Deutschland nur noch eingeschränkte medizinische Versorgung?
Dr. Angelika Schaumberg
     
{3}   Was die Deutschen verdienen
Der Stern-Gehaltsreport, 06. Januar 2010
     
{4}   Gesundheitssysteme: Was wirklich zählt
Heinz Stüwe
Deutsches Ärzteblatt, Jg. 106, Heft 51-52, 21. Dezember 2009
     
{5}   Style of Management and Leadership: A report by Manfred Davidmann
(Los Angeles Times)
     
{6}   Aufgaben der Bundesärztekammer
     




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